SUAS Premier: Eine feierliche Zertifikatsübergabe bei der W.AG in Geisa

Ende letzten Jahres konnten die Abschlusszertifikate an die Teilnehmenden des SUAS Premier Programms in einer feierlichen Zeremonie in den Räumen des Unternehmens W.AG in Geisa überreicht werden. Zehn junge Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern konnten in diesem Rahmen ihren erfolgreichen Abschluss des SUAS Premier-Programmes begehen.[1] SUAS Premier ist ein von dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und dem DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)  im Rahmen des ProfiPlus-Programms gefördertes Projekt an der Hochschule Schmalkalden, das sich um die Aufnahme internationaler Studierender in den Thüringer Arbeitsmarkt bemüht.

Das allgemeine Ziel des Programms ist es, hoch-qualifizierte internationale Absolventen der Hochschule in der Region zu halten und ihnen den Eintritt in das Berufsleben zu erleichtern. Die Herausforderung des Fachkräftemangels steht uns bereits gegenwärtig vor Augen, zugleich wird sich die Problemlage absehbar noch verschärfen, werden bis 2030 doch gut die Hälfte der Fachkräfte den bundesdeutschen Arbeitsmarkt verlassen. Diesen sich ergebenden Bedarf vor Augen entschloss sich das DAAD, den vielversprechenden Ansatz zu verfolgen, die Integration internationaler Absolventen in den Fachkräftemarkt engagiert voranzutreiben. Ein daraus hervorgegangenes Einzelprojekt ist das SUAS-Premier-Programm, das von Jayabadhrinath Krushnan, einem Absolventen der HSM, koordiniert wird.

Dabei setzt dieses Programm direkt bei den internationalen Studierenden an, und versucht diesen über ein intensives, modular-aufgebautes Trainingsprogramm eine Anpassungsqualifikation in Hinsicht des Berufseinstiegs zu vermitteln. Hierfür wurden die konkreten Hemmschwellen, die den Absolventen begegnen, festgestellt und an diesen Bedarfen ausgerichtet ein Kurzlehrformat mit dem Ziel entwickelt, die Fachkräfte an die Region zu binden und gut ausgebildete Absolventen der Mint-Studiengänge in die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region Südthüringens zu bringen. Ausgehend von Befragungen lokaler Unternehmen ermangelt es den internationalen Fachkräften in der Regel an den erforderlichen technischen und sprachlichen Fähigkeiten, die genau im SUAS PREMIER-Programm vermittelt werden, um die Lücke zu schließen.

Das Programm

Neben einer Anwendungsorientierung im Sinne einer praktischen Lösungskompetenz steht vor allem die Kommunikation im Fokus, also die Vermittlung von Sprachkenntnissen. Auch wenn die Verbreitung der englischen Sprache durchaus auch in der Thüringer Fläche zunimmt, sind grundlegende Deutsch-Kenntnisse zentral für Berufseinstieg im von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägten Arbeitsmarkt Südthüringens.

Das erste Modul befasst sich mit der Vermittlung basaler professioneller MINT-Kompetenzen, dient dem Aufbau einer allgemeinen Befähigung und beinhaltet zugleich einen engen Fokus auf die Praxis. Gerade die konkreten Erfahrungen im Machen und Problemlösen sind es, die den internationalen Absolventen der MINT-Studiengänge für einer erfolgreichen Start in Berufsleben oftmals fehlen: Anders gesagt geht es um die Hands-On-Mentalität und entsprechende Erfahrungen, die zwar im Ansatz bei den Studierenden vorhanden sind, deren Profil aber geschärft werden soll. Das technische Programm wird in Zusammenarbeit mit dem Robotiklabor der HSM und dem Unternehmenspartner Mehnert Lab in Erfurt durchgeführt. Das zweite Modul beruht auf Vermittlung von Sprachkompetenzen und einem allgemeinen Verständnis der hiesigen Arbeitskultur. Das dritte und abschließende Modul soll die Absolventinnen mit Kenntnissen über den regionalen Arbeitsmarkt im MINT-Bereich ausstatten und sie schlussendlich befähigen, ihre Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Am Ende dieses herausfordernden Lernprozesses, den die Teilnehmenden neben ihrem Studium absolvieren müssen, werden den erfolgreichen Absolventen ihre Zertifikate in einer feierlichen Zeremonie überreicht, in der das Erreichte gewürdigt wird. Um auch hier einen Akzent auf die Anbindung in die lokale Wirtschaft zu legen, wird die Vergabe der Zertifikate mit einem Unternehmensbesuch kombiniert: Diesmal ging es zum Unternehmen W.AG mit Sitz in Geisa, gelegen im südlichen Wartburgkreis.

Das Unternehmen

Das Unternehmen entspricht der nunmehr fast sprichwörtlichen Bezeichnung als „Hidden Champion“, wobei man dies ob des Betätigungsfeldes zunächst nicht erwarten würde: Die Fertigung von innovativen Kunststoffkoffern im B2B-Bereich, also Business to Business. Es geht um angepasste, individuelle Transport- oder Aufbewahrungsmöglichkeiten, wie sie zum Beispiel die Automobilindustrie für bestimmte Werkzeuge bedarf.

Die spannende Frage ist, wie es das Unternehmen aus der Rhön geschafft hat, neben der Konkurrenz aus Fernost zu bestehen. Am Ende ist die Ursache des Erfolgs eine Mischung aus Innovativität, Professionalität und Flexibilität. Die eher kleinen Stückzahlen sind dabei eine Grundlage des Konzepts: Individuelle Lösungen, die zugleich anpassbar bleiben und schnell produziert werden können. Ein Faktor bei der Schnelligkeit sind die geringen Transportwege vor Ort – selbst die Werkzeuge können am Standort in Geisa repariert werden.

Die Innovativität zeigt sich unter anderem in den drei Linien der verwandten Werkstoffe: Neben dem klassischen sortenreinen Polypropylen gibt es eine Auswahl zwischen der ORGANICLINE, die Nachhaltigkeitsnormen erfüllt und das EU-Güte-Siegel Green Brand führen darf, und die CIRCLELINE, die Rezyklate, also aufbereiteten, recycelten Kunststoff, verwendet und ebenso der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Neben einer breiten Palette an Modellen und Farbvarianten kommen somit noch drei Möglichkeiten hinzu, zwischen denen sich die Kund:innen bei der Individualisierung ihrer Koffer entscheiden können.

Die Absolventen konnten in ein Unternehmen hineinschnuppern, das wie viele andere gut ausgebildete Fachkräfte sucht. Das SUAS Premier Programm soll und kann dabei helfen, die Einstiegsschwierigkeiten internationaler Studierender in den Arbeitsmarkt abzuschmelzen und die Unternehmen mit einem bislang nur suboptimal genutzten Reservoir an Fachkräften zu versorgen. 


[1] Zwei weitere Zertifikate konnten an Teilnehmende versandt werden, die terminlich gebunden waren.

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